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Selbst­organisation und Strategie­entwicklung: Teil I

If culture eats strategy for breakfast, self-organization invites strategy for lunch.

Peter Herzau, Agile Coach
Frage

Wie können Strategieentwicklung Ihres Unternehmens und Selbstorganisation Hand in Hand gehen?

Antwort

Schaffen Sie ein Setting, das Prozess- und Ergebnisoffenheit zulässt!

Versprechen

Das ist eine Herausforderung für alle Beteiligten. Doch Sie pflanzen damit den Samen für zukünftiges Engagement im Team und eine wachsende Vertrauenskultur..

Wie funktioniert Evolution in einem Team, das sich selbst führt? Die Erfahrungen aus dem jüngsten Entwicklungsprozess von SI Labs haben gezeigt: Es braucht hierfür

  • eine Vision,
  • eine Strategie und
  • einen verbindenden Impulsgeber.

Die Vision schweißt zusammen, die Strategie vermittelt Machbarkeit, und der Impulsgeber vernetzt die Potentiale der einzelnen Akteure und ermöglicht so eine gemeinsame Ausrichtung.

Die erfreuliche Erkenntnis ist: Es braucht nur relativ kleine Interventionen, damit in einem solchen System große Energien freigesetzt werden. Und fast unbemerkt wächst dabei die Vertrauenskultur im Unternehmen.

Ich konnte SI Labs im Laufe von neun Monaten bei solch einem Prozess begleiten. Selbstorganisation spielt dort in der Zusammenarbeit sowohl in internen Projekten und Prozessen, als auch in Kundenprojekten eine zentrale Rolle. Die Erfahrung und das Know How, wie diese Selbstorganisation in der Realität gut funktioniert, sammelt SI Labs im eigenen Unternehmen und gibt diese an die Kunden weiter.

Next Level für die Selbstorganisation bei SI Labs

Begonnen hat es mit dem Wunsch, der bereits gelebten Selbstorganisation weiter den Rücken zu stärken. Vertrauen in die Organisation und die Wirksamkeit des gesamten Systems sollten auf die nächsthöhere Stufe gelangen. In folgenden Phasen ist der Prozess abgelaufen:

  1. Orientierung im eigenen Wertesystem: die Zukunftsvision

  2. Formulierung der Unternehmensziele

  3. Entwicklung und Kick Off eines Strategiesystems

01 Visionen brauchen Werte

„Wir brauchen eine Vision“, war ein Satz, der bei der Bestandsaufnahme auf dem ersten Workshop mehrmals genannt wurde. Dabei gab es eigentlich schon eine „Vision“. Diese beschrieb, was das Unternehmen für seine Kunden leisten will. Eine Art Selbstverständnis, welchen Nutzen es stiften möchte. Das war aber nicht der Satz, den die Mitarbeiter von SI Labs (im Folgenden: die Labster) brauchten, um sich abgeholt zu fühlen. Es gab eher folgende Erwartungshaltung: „Die Vision muss vom Geschäftsführer kommen!“ Ganz so ist es am Ende nicht gekommen.

Den entscheidenden Impuls hat ein halbtägiger Zukunftsworkshop mit dem gesamten Team gegeben. Dort wurde von allen diskutiert, welche Werte für die Zukunft wichtig sind, welche Szenarien sich hierfür abzeichnen und was das alles mit den Leistungen von SI Labs zu tun hat. Ehrlich gesagt, war am Ende des kurzen Workshops noch keine neue Vision vorhanden. Typisch für SI Labs war jedoch die Dynamik in der darauf folgenden Woche: ohne weitere Interventionen durch mich als Unterstützer hatte eine Handvoll Labster die Inhalte des Workshops eingefangen und in einem Manifest kondensiert. Die Struktur des Manifests lautete jetzt: Vision = SI Werte + Welt + Zukunft.

Ein Workshop von vier Stunden hatte den Anstoß gegeben, dass das, worauf alle gewartet hatten, plötzlich in Eigenverantwortung selbst geschaffen wurde!

SI Labs Manifest

Wir glauben, dass die Zukunft von Menschen bestimmt wird, nicht von Produkten. Unser Ansatz schafft Möglichkeiten für alle, eine Welt aufzubauen, die jedem zugutekommt.

Wir wollen eine Zukunft erleben, in der wir sinnvolle Entscheidungen für uns selbst treffen und gleichzeitig einen positiven Einfluss auf unsere Mitmenschen ausüben können.

Wir arbeiten so, wie wir leben – transparent, kreativ, kollaborativ und reflektiert. So wird Innovation möglich, auch in unbekanntem Terrain.

Wir glauben, dass der Austausch von Fachwissen und Ressourcen uns alle gemeinsam voranbringt.

Auch wenn das Manifest ein eher allgemeines Statement ist und konkrete Handlungen dadurch nicht ableitbar sind, hatte es eine Wirkung. Aus meiner Beobachtung verbreitete sich Entspannung im Team, und die Ausrichtung des Unternehmens war besser zu spüren.

02 Gute Unternehmensziele setzen Energie frei und bringen die Beteiligten in Bewegung

Mit Entspannung entwickelt sich natürlich kein Unternehmen weiter. Deshalb war es notwendig, den nächsten Schritt zu gehen: „SI Labs braucht auch langfristige Ziele für das Unternehmen selbst: Wo wollen wir in 5 Jahren sein und was wird uns dann auszeichnen?“ Diese Frage bekam ich in einem 10-minütigen Gespräch mit Lukas, dem Geschäftsführer beantwortet. Wieder war kein langes Arbeiten notwendig. Es musste nur das, was eigentlich schon da war, erfragt und ausformuliert zu werden. Die Antworten von Lukas brachten Bewegung in das System. Die Labster begannen, weitere Fragen zu stellen: „Wie kann das gehen? Mit welchem Businessplan wären diese Ziele realistisch? Was müssen wir dafür leisten? Was und wen brauchen wir dafür?“ Die Strategie war im Team angekommen.

„Wichtig war der Business Case, weil auf Basis dieser Zahlen deutlich wurde, dass wir einen ‚Running Business’ haben.“

Timo Kuske, Business Designer

03 Eine selbst erarbeitete Strategie macht stolz und wirkt nachhaltig

SI Labs ist stolz darauf, ein eigenes Framework für seine Strategie entwickelt zu haben. Dafür wurde kein Modell aus dem Buch übernommen und auch kein Experte eingeladen, der sagt, was richtig und falsch ist.

Selbstorganisation und Strategieentwicklung

Stattdessen haben wir aktuelle Konzepte der Strategieentwicklung genommen und daraus unter Beteiligung aller Labster ein eigenes Framework entwickelt. Das hat mehrere Vorteile:

  • Das Framework passt zur aktuellen Unternehmenssituation.
  • Es ist allen klar, dass das Framework nur so gut ist, wie es gerade ist, und immer weiter optimiert werden kann und muss.
  • Alle Labster haben das Framework gedanklich durchdrungen und identifizieren sich damit.
  • Die Einbindung aller Labster ermöglicht eine Vertrauenskultur, dass alle mit ihrem Wissen ernst genommen werden.

Wie ist der Prozess abgelaufen? Mehr dazu im nächsten Abschnitt...