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Wie steuern Unternehmen den Innovations­­prozess am effektivsten?

Timo Kuske Business Designer

Viele Innovationsprojekte scheitern. Umso wichtiger ist es, möglichst viele erfolgsversprechende Ideen zu entwickeln, damit wenigstens einige Realität werden. Der Innovationsfunnel ist ein gutes Instrument, um diesen Prozess zu strukturieren.

Weg zum Erfolg

Innovation ist kein einmaliger Prozess. Es ist vielmehr die kontinuierliche Exploration und Erschließung von Marktpotentialen.

Drei Phasen

Der Innovationsfunnel dient der Sondierung, um die besten Ideen und Lösungen zu finden. Er unterscheidet sich in die Such-, Inkubations- und Skalierungsphase.

Tipps & Tricks

Der Innovationsfunnel ist zunächst ein strukturierendes Instrument. Um den Prozess nachhaltig zu etablieren, müssen zahlreiche weitere Aspekte berücksichtigt werden.

Innovation ist hart, aber lernbar

Die schlechte Nachricht zuerst: Kaum eine innovative Idee führt zum Erfolg. So gilt die Daumenregel, dass nur ein Startup aus zehn überdurchschnittlich erfolgreich sein wird. Und rund 80 Prozent aller Startups scheitern sogar innerhalb von drei Jahren. Meine eigene Erfahrung ist: Auch bei den Innovationsaktivitäten von etablierten Unternehmen ist diese Quote nicht entscheidend höher. Das hat aber nicht nur mit der Qualität der Ideen, sondern auch mit komplexen internen und externen Faktoren zu tun. Hier zeigt sich einmal mehr: Erfolgreiche Innovation ist schwierig, das Scheitern gehört immer dazu.

Und nun die gute Nachricht: Innovation ist lernbar. Mit den geeigneten Prozessen und Methoden lassen sich Innovationen in jedem Unternehmen systematisch und kontinuierlich hervorbringen und bis zur Marktreife entwickeln.

Innovationen steuern mit dem Innovationsfunnel

Um langfristig innovativ zu sein, muss ein Unternehmen eine ausreichende Anzahl an vielversprechenden Innovationen auf den Markt bringen. Außerdem muss es die Erfolgsquote der Innovationen kontinuierlich erhöhen, um die unweigerlich auftretenden Misserfolge auszugleichen. Eine Möglichkeit, beide Herausforderungen anzugehen, ist der Innovationsfunnel (zu Deutsch „Trichter“). Ich verwende ihn in meinen Projekten gerne als Kontroll- und Steuereinheit der Innovationsaktivitäten.

Die Grundidee ist einfach: Möglichst viele Ideen und Konzepte füllen anfangs den Funnel. Durch das Testen und Validieren der Ideen kristallisieren sich die Ansätze mit dem größten Potenzial heraus – diese werden als schlanke Lösung (MVP) auf den Markt gebracht, weiterentwickelt und erweitern schlussendlich das Lösungsangebot des Unternehmens.

Der Innovationsfunnel: Suche, Inkubation, Skalierung
Der Innovationsfunnel: Suche, Inkubation, Skalierung

In drei Schritten zur erfolgreichen Innovation

Im Kern besteht dieser Prozess aus drei Phasen. Für jede benötigen die involvierten Personen unterschiedliche Fähigkeiten. Deshalb ist es wichtig, für jede Phase die am besten geeignetsten Mitarbeiter einzusetzen:

  1. Suchphase: Dazu gehören Kundenresearch, Ideen generieren, Vorschläge von Mitarbeitern strukturieren und sie möglichst effizient validieren. Diese Phase bildet die Basis für die oft kostenintensivere Weiterentwicklung von Innovationen und sollte daher kontinuierlich betrieben werden. Mitarbeiter mit hohem methodischem Know-how, strukturiertem Denken und Neugierde können sich hier gut einbringen.
  2. Inkubationsphase: Aussichtsreiche Ideen und Konzepte werden erstmals auf den Markt gebracht und durch das Nutzerfeedback im laufenden Betrieb weiterentwickelt. Die hier involvierten Teammitglieder benötigen ein hohes Maß an unternehmerischem Denken und ein breites Wissensspektrum.
  3. Skalierungsphase: Die Innovation wird ins Unternehmen überführt und dort skaliert. Hierzu ist es wichtig, die unternehmensinternen Strukturen zu kennen und funktionierende Netzwerke im Unternehmen zu haben.

Wichtige Faktoren für den Innovationserfolg

Um den Innovationsfunnel in die Unternehmenspraxis zu überführen, habe ich unten einige Best Practices zusammengefasst:

Suchrichtung definieren:

Durch Innovationen werden strategische Ziele von Unternehmen realisiert. Also ist es sinnvoll, auch in diesen Richtungen zu suchen. Als Methode verwende ich zum Beispiel die Innovation Arena: In einer Arena überlappen sich nicht hinreichend bediente Kundenprobleme mit den Ressourcen und der Strategie des Unternehmens. Wenn diese beiden Faktoren klar definiert sind, fällt die Bewertung von Lösungsideen viel leichter.

Wissensmanagement einführen:

Insbesondere im vorderen Teil des Funnels werden regelmäßig Kundeninterviews geführt und Ideen getestet. Hier sammelt sich eine große Menge an Erfahrungswissen, das strukturiert und zugänglich gemacht werden sollte. Zunächst kann dafür ein Teammitglied die entsprechende Rolle erhalten, in der nächsten Ausbaustufe sollte dann eine für alle zugängliche Wissensdatenbank im Unternehmen etabliert werden.

Pitches durchführen:

Teams, die sich im Innovationsprozess befinden, benötigen Freiheiten, um neuartige Lösungen finden zu können. Sie brauchen aber auch Deadlines und Feedback. Das Ergebnis der jeweiligen Phase sollte deshalb in einem Pitch oder Demo-Day vor Entscheidern präsentiert werden. Das ist wichtig, um eine ergebnisorientierte Budgetierung festzulegen, die strategische Ausrichtung der Innovationsvorhaben zu steuern und den Innovationsteams klare Meilensteine zu setzen.

Es kommt auf die Menschen an

Je weiter eine Lösung den Funnel durchläuft, desto strukturierter werden die Aufgaben. Vorne im Funnel begegnet dem Innovationsteam dagegen viel Unsicherheit. Das bedeutet, dass sich in den jeweiligen Phasen verschiedene Persönlichkeiten unterschiedlich einbringen können und wollen. Deshalb achten wir bei Service Innovation Labs stets darauf, dass die individuellen Arbeitsweisen und Ambitionen der Mitarbeiter explizit gemacht werden, um sie zukünftig gezielt zu fördern. Denn letztlich hängt die erfolgreiche Transformation zu einem innovativen Unternehmen nicht von einem bestimmten Instrument ab – sondern vom Handeln der Mitarbeiter, von der Unterstützung des Managements und von gemeinsam erreichten Erfolgen.