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Selbstorganisation

Holacracy Struktur FAQ: 20 häufige Fragen beantwortet

Die wichtigsten Fragen zu Rollen, Kreisen, Links und Struktur-Migration in Holacracy. Klare Antworten mit praktischen Beispielen.

Die Holacracy-Struktur wirft viele Fragen auf – besonders am Anfang. Dieser FAQ beantwortet die 20 häufigsten Fragen zu Rollen, Kreisen, Links und Struktur-Migration. Jede Antwort ist kurz und praktisch.


Rollen

1. Was ist der Unterschied zwischen einer Rolle und einem Job?

Ein Job beschreibt eine Person: „Marketing Manager – 40h/Woche, Gehalt X, berichtet an Y.”

Eine Rolle beschreibt Arbeit: „Newsletter – Purpose: Abonnenten informieren. Accountabilities: Newsletter erstellen und versenden.”

Der wichtigste Unterschied: Eine Person kann viele Rollen haben. Eine Rolle kann von mehreren Personen geteilt werden. Die Person ist nicht die Rolle.


2. Wie viele Rollen kann eine Person haben?

Es gibt keine feste Obergrenze. Praktisch: Die meisten Menschen können 3-6 Rollen gut ausfüllen.

Faktoren:

  • Komplexität der Rollen
  • Verfügbare Zeit
  • Kognitive Kapazität

Siehe auch: Multi-Rollen in Holacracy


3. Kann eine Rolle mehrere Personen haben?

Ja. Wenn mehrere Menschen dieselbe Rolle ausfüllen, heißt das „Role Assignment to Multiple” oder einfach: geteilte Rolle.

Wichtig: Jede Person hat dann alle Accountabilities der Rolle. Es gibt keine automatische Aufteilung.


4. Wer entscheidet, wer welche Rolle hat?

Der Lead Link des Kreises weist Rollen zu. Das ist keine demokratische Entscheidung und braucht keine Governance.

Was der Lead Link NICHT kann: Die Rolle selbst ändern. Dafür braucht es Governance.


5. Kann ich meine eigene Rolle ändern?

Nicht allein. Rollenänderungen gehen durch Governance. Du kannst einen Proposal einbringen, aber der ganze Kreis prozessiert ihn.

Was du selbst entscheiden kannst: Wie du die Rolle ausfüllst. Die Autorität liegt in der Rolle, die Ausführung bei dir.


Kreise

6. Ab wann braucht man einen eigenen Kreis?

Ein eigener Kreis ist sinnvoll, wenn:

  • Ein Bereich eigene Governance braucht
  • Die Komplexität eine einzelne Rolle übersteigt
  • Autonomie für den Bereich wichtig ist

Siehe auch: Kreise gründen


7. Wie groß sollte ein Kreis sein?

Faustregel: 3-8 Mitglieder für effektive Governance.

  • Zu klein (< 3): Kaum Perspektivenvielfalt
  • Zu groß (> 12): Governance-Meetings werden lang und ineffizient

8. Kann ein Kreis aufgelöst werden?

Ja. Ein Kreis wird durch Governance des Super-Kreises aufgelöst.

Voraussetzung: Die Arbeit des Kreises muss woanders hingehen – in andere Rollen oder einen anderen Kreis.


9. Was ist der Unterschied zwischen Kreis und Team?

Ein Team ist eine Gruppe von Menschen. Ein Kreis ist eine Governance-Einheit mit Purpose, Rollen und eigener Strukturautorität.

Teams existieren informal. Kreise sind formale Holacracy-Strukturen.


10. Muss jeder Mensch zu einem Kreis gehören?

Nicht automatisch. Man gehört zu den Kreisen, in denen man Rollen hat.

Jemand mit Rollen in drei Kreisen „gehört” zu drei Kreisen. Jemand mit nur einer Rolle im Anchor Circle gehört nur dorthin.


Der Lead Link:

  • Weist Rollen zu
  • Allokiert Ressourcen
  • Setzt Prioritäten
  • Trägt Purpose und Strategie des Super-Kreises in den Kreis

Was er NICHT macht: Anweisen, wie Arbeit erledigt wird.


Lead LinkRep Link
Vom Super-Kreis zugewiesenVom Sub-Kreis gewählt
Trägt Purpose nach untenTrägt Spannungen nach oben
Vertritt Super-Kreis-InteressenVertritt Sub-Kreis-Interessen

Zusammen bilden sie das Double-Linking.


Alle Mitglieder des Sub-Kreises (außer dem Lead Link) wählen den Rep Link. Das Wahlverfahren ist das integrative Wahlverfahren:

  1. Nominierung
  2. Begründung
  3. Änderungsrunde
  4. Einwandrunde
  5. Entscheidung

Jeder Sub-Kreis hat automatisch eine Rep Link Rolle. Ob sie ausgefüllt wird, hängt davon ab, ob jemand gewählt wird.

In der Praxis: Die meisten Kreise wählen früh einen Rep Link, weil er wichtig für die Kommunikation nach oben ist.


Cross Links verbinden Kreise, die nicht in einer hierarchischen Beziehung stehen, aber regelmäßig koordinieren müssen.

Indikatoren:

  • Wiederkehrende Abhängigkeit
  • Zeitkritische Koordination
  • Kein klares Über-/Unterordnungsverhältnis

Migration

16. Wie starte ich mit Holacracy?

Typischer Weg:

  1. Pilot: Ein Kreis probiert Holacracy aus
  2. Lernen: Erfahrungen sammeln, Coaching nutzen
  3. Erweitern: Weitere Kreise einbinden
  4. Konsolidieren: Organisation stabilisieren

Siehe auch: Von Abteilungen zu Kreisen


17. Werden Abteilungen zu Kreisen?

Nicht 1:1. Abteilungen sind um Personen organisiert, Kreise um Arbeit. Die Migration erfordert Neu-Denken:

  • Welche Arbeit wird wirklich gemacht?
  • Wie sollte sie gruppiert werden?
  • Welche Governance braucht sie?

18. Wie lange dauert eine Holacracy-Einführung?

OrganisationsgrößeTypischer Zeitraum
10-30 Personen3-6 Monate
30-100 Personen6-12 Monate
100+ Personen12-24 Monate

Wichtig: Holacracy ist nie „fertig”. Die Struktur entwickelt sich ständig weiter.


19. Kann man von Holacracy zurück zu traditioneller Struktur?

Technisch ja. Praktisch selten. Organisationen, die Holacracy aufgeben:

  • Haben meist spezifische Gründe (z.B. Führungswechsel)
  • Behalten oft Elemente (Rollen-Denken, Governance-Meetings)
  • Verlieren die Vorteile verteilter Autorität

20. Was passiert bei strukturellen Problemen?

Strukturelle Probleme werden durch Governance gelöst:

  1. Spannung identifizieren
  2. Proposal entwickeln
  3. Governance verarbeitet Proposal
  4. Neue Struktur gilt

Siehe auch: Strukturelle Schulden


Forschungsmethodik

Dieser FAQ basiert auf der Holacracy-Verfassung, häufigen Fragen aus Trainings und Beratungen, und über zehn Jahre Praxis bei SI Labs.

Quellenauswahl:

  • Holacracy-Verfassung
  • Häufige Fragen aus der Praxis
  • SI Labs interne Dokumentation

Einschränkungen: FAQ-Antworten sind bewusst kurz. Für Details siehe die verlinkten Artikel.


Offenlegung

SI Labs GmbH praktiziert Holacracy seit über zehn Jahren und bietet Holacracy-Training an.


Quellen

[1] Robertson, Brian J. “Holacracy.” In The Management Shift, edited by Vlatka Hlupic, 145-168. Chichester: Wiley, 2012. DOI: 10.1002/9781119197683.ch9 [Buchkapitel | N/A | Zitationen: N/A | Qualität: 60/100]

[2] Bernstein, Ethan, et al. “Beyond the Holacracy Hype: The Overwrought Claims and Actual Promise of the Next Generation of Self-Managed Teams.” Harvard Business Review 94, no. 7/8 (2016): 38-49. [HBR Praxisartikel | Multiple Fallstudien | Zitationen: 312 | Qualität: 72/100]

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